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15.06.2009 | Stephanus-Stiftung

Was wäre wenn ...


Behinderte Menschen der Stephanus-Stiftung beteiligen sich am Projekt der Brotfabrik Filmstadt Weißensee

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt ein Filmstar zu sein? In der Stephanus-Stiftung Berlin-Weißensee wird dieser Traum für einige Menschen wahr. Seit September 2008 treffen sich dort wöchentlich junge Menschen mit Behinderungen aus der Stephanus-Stiftung und anderer Einrichtungen mit den pädagogischen Mitarbeitern der Kultureinrichtung „Brotfabrik“. Mit viel Freude arbeiten sie an dem Projekt „Filmstadt Weißensee – Aufstieg und Fall einer Glamourwelt“ und tauchen für einige Stunden in die aufregende Zeit der Stummfilme hinein. Was viele heute nicht mehr wissen: Weißensee war in den 20er und 30er Jahren eine Produktionsstätte von weltbekannten Filmen. Im Volksmund war der Stadtteil auch als „Klein Hollywood“ bekannt. Das Projekt läuft ein Jahr und wird von der Aktion Mensch gefördert.

„Wir schauen uns immer hier im Kiez um, wer Lust hat, an einem Projekt teilzunehmen. Mit der Stephanus-Stiftung teilen wir einen gemeinsamen Kiez und da kam die Idee eines gemeinsamen Projektes“, sagt Kunsthistorikerin Petra Schröck. Sie und Theaterpädagoge Nils Foerster begleiten die Teilnehmer der Stephanus-Stiftung.

Am Beispiel der Familie May ergründen sie die einstige Filmstadt Weißensee. Mia, Eva und Joe May gehörten zu bekannten Künstlern aus dieser Zeit. Ihre bewegende Geschichte gab Anlass zu einem eigenen Projekt. Den Initiatoren ist dabei wichtig, dass das Projekt offen ist und auch Nichtbeteiligte die Möglichkeit haben, an den Erfahrungen teilzuhaben. Parallel zu den Treffen bei der Stephanus-Stiftung gibt es Treffen von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Berliner Gymnasien. Geplant ist eine Zusammenführung beider Gruppen zum Ende des Jahres 2009.

„Wie sahen die Filmstars früher aus?“ „Wer wäre ich gern gewesen?“ Diese Fragen beschäftigen die Projektteilnehmer und sie lassen sich jede Menge einfallen, um in die Glamourwelt einzutauchen. Gemeinsam haben sie Autogrammpostkarten, Drehbücher, Bilder und alte Filme angeschaut.

Von den Teilnehmern der Stephanus-Stiftung sind ein sogenannter Stoptrickfilm und eine Bildserie entstanden. Die Teilnehmer schlüpften in die Rollen der Filmstars, haben Kleidung, Ausdruck und Posen so nahgetreu wie möglich nachgestellt. Das Ergebnis ist eindrucksvoll: Der Stoptrickfilm zeigt eine Choreographie, bei der Gesten und Bewegungen der Filmstars kunstvoll nachgeahmt werden. Künstlerin Bettina Kuntsch, begleitete den Dreh und unterlegte den Film mit peppiger Ragtime- und Technomusik.

 


Während der Arbeit am Projekt erleben sich die Teilnehmer auf ganze neue Art und Weise. „Oft kommt es vor, dass wir vor unseren Treffen noch nicht wissen, was wir machen. Während der Zusammenarbeit hat dann jemand eine Idee. Der gehen wir dann nach.“ so Niels Förster. Der Freiraum zum Ausprobieren und zur persönlichen Entfaltung ist in der Zusammenarbeit der Gruppe sehr wichtig. Förster ergänzt: „Wir setzen Impulse, die die Jugendlichen verarbeiten. Man weiß vorher nie, was passiert.“

Petra Schröck betont allerdings: „Bei unserem Projekt ist nicht das Ergebnis wichtig. Vielmehr geht es um den gemeinsamen Spaß an der Sache und dem Ausprobieren.“
Den Projektleitern ist es sehr wichtig, dass jeder seine persönlichen Ideen einbringen kann. Es gibt zum Beispiel keinen festgelegten Zeitplan und auch die Inhalte können ganz unterschiedlich ausfallen.

Die Teilnehmer haben Freude miteinander und lernen gleichzeitig verschiedene Formen des Theaters kennen: sie singen, musizieren, tanzen, verkleiden sich und spielen Theater. Es sollen die verschiedenen Begabungen einfließen. Am Ende des Jahres werden die Schülergruppen und die Teilnehmer der Stephanus-Stiftung zusammenkommen. Petra Schröck fasst zusammen: „Mit diesem Projekt wollen wir nach außen zeigen, dass junge Menschen mit den verschiedenen Lebensumfeldern und Beeinträchtigungen in der Lage sind, gemeinsam zu handeln und sich auszudrücken.“
 


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